20.02.08 Moose von A-Z / Dr. Heike Hofmann

Polytrichum formosum / Frauenhaar

Polytrichum formosum

Blepharostoma trichophyllum / Haarblatt-Lebermoos

Blepharostoma trichophyllum

Wussten sie, dass Bryologie die Wissenschaft der Moose ist? Die von “Moosfan” Heike Hofmann engagiert vorgetragene und faszinierend bebilderte Einführung in die Wunderwelt der Moose eröffnete den rund 24 Anwesenden noch weit mehr als nur dieses Wort. Der Bildvortrag gab überraschende Einsichten in die Formenvielfalt, die Ökologie, den Nutzen und das Wissen über die Moose in der Schweiz. Die vor gut 400 Millionen Jahren entstandene Pflanze von denen heute in der Schweiz rund 1100 Arten bekannt sind, werden in die Klassen Laubmoose, Lebermoose und Hornmoose unterteilt. Moose sind konkurrenzschwach und wachsen in grosser Zahl vorwiegend an feuchten Orten. Es gibt allerdings auch Arten, die extreme Trockenheit vertragen. Nur im Salzwasser fehlen sie. Sie kommen mit wenig Licht aus und trotzen grosser Hitze wie eisiger Kälte. Selbst über 3000 m.ü.M. finden wir bei uns noch gut 70 verschiedene Arten. Die Fortpflanzung geschieht entweder geschlechtlich mittels Sporen oder ungeschlechtlich durch Brutkörper. Beide Verbreitungseinheiten sind sehr klein und werden in grosser Menge produziert. Das führt dazu, dass Moose im Allgemeinen weiter verbreitet sind als Blütenpflanzen. Worin liegt ihr Nutzen? Sie sind häufig Erstbesiedler und bilden so schon früh Lebensraum für unzählige Kleinstlebewesen. Sie üben einen ausgleichenden Einfluss auf den Wasserhaushalt aus. Ohne Torfmoose gibt es keine Hochmoore und diese sind die grössten oberirdischen Kohlenstoffspeicher. Darüber hinaus sind Moose Baumaterial für Vogelnester und haben ganz einfach einen hohen ästhetischen Wert!

Seit 1984 werden in der Schweiz die Moose im Rahmen des Projektes “Nationales Inventar der Schweizer Moosflora” kartiert. Das Hauptziel ist die Herstellung eines Atlasses mit Rasterkarten auf naturräumlicher Basis von allen sicher unterscheidbaren Moos-Sippen der Schweiz. Ein anderes Ziel ist die Herausgabe einer aktuellen Roten Liste. Wie in der Vogelwelt sind auch unter den Moosen rund 40% der Arten gefährdet. Frau Dr. Heike Hofmann leistet zu diesem Inventar-Projekt einen entscheidenden Beitrag. Auf der Homepage www.nism.unizh.ch erfahren Sie mehr und können den informativen und attraktiven Moos-Atlas auch gleich ausprobieren. Frau Hofmann schloss den Bildvortrag mit der Schilderung einer endemischen Moosart der Alpen nämlich dem Rudolphs Trompetenmoos, Tayloria rudolphiana. Funde dieser Art sind weltweit nur aus der Schweiz, aus Deutschland und aus Österreich bekannt. Meist kommt die Art epiphytisch auf alten Bergahornbäumen vor. Da die breit ausladenden Äste dieser Bäume gerne von Vögeln als Sitzwarte benutzt werden, ist das Substrat des Mooses meist mit stickstoffreichen Exkrementen angereichert. In der Schweiz wurde es nach 1960 erst an wenigen Standorten nachgewiesen, darunter auch in Graubünden. Es ist deshalb auf der Liste der national geschützten Pflanzen aufgeführt. Den Anwesenden wurde klar: Wir wissen viel über Moose, doch weit mehr Fragen bleiben weiterhin offen. Der Vogelschutz Chur dankt Frau Heike Hofmann herzlich für ihr Engagement und ihren einmaligen Vortrag! Ich werde auf jeden Fall den Moosen in Zukunft mit mehr Beachtung und noch mehr Respekt begegnen.

Jürg Hosang

Thuidium / Thujamoos | © Heike Hofmann
Atrichum undulatum / Katharinenmoos (Mikroskopische Aufnahme) | © Heike Hofmann
Plagiomnium undulatum / Kriechsternmoos | © Heike Hofmann